Sächsilüüte – Sechseläuten

Das Zürcher Frühlingsfest auf einen Blick
Sechseläuten, Zürich

Was ist Sechseläuten?

17. April 2023

Das Sechseläuten ist eine jahrhundertealte Tradition zum Frühlingsbeginn in Zürich. Neben historisch kostümierten Zunftmitgliedern prägen Musikkapellen, Pferde, Blumen, Fahnen und der «Böögg» das Fest. Der Böögg ist heutzutage sogar die Hauptfigur: Er wird pünktlich zum Sechs-Uhr-Geläut der Kirche Grossmünster verbrannt. Und je schneller sein mit Feuerwerk gefüllter Kopf explodiert, desto schöner wird der Sommer. Heisst es zumindest in Zürich.

Wie der Brauch entstanden ist, woher der Böögg kommt und Tipps zum perfekten Sechseläuten-Erlebnis lesen Sie weiter unten.

Geschichte des Fests

Im 16. Jahrhundert wurde im Zürcher Rat – der zu dieser Zeit ausschliesslich aus Zunftmitgliedern* bestand – beschlossen, dass der Feierabend in den Sommermonaten eine Stunde später als in den Wintermonaten erfolgen sollte. Zum Zeichen des Frühlingsbeginns läutete die zweitgrösste Glocke des Grossmünsters am ersten Montag nach der Tagundnachtgleiche pünktlich um 18 Uhr. Ab diesem Tag wurde bis im Spätherbst eine Stunde länger gearbeitet. Dieses erstmalige «Sächsilüüte» – das Läuten um sechs Uhr – wird seither zelebriert.

*Zünfte

sind im Mittelalter entstandene Handwerks-Zusammenschlüsse. Sie regelten gemeinsame Interessen wie Löhne oder Preisabsprachen und bildeten ein soziales System mit eigenen Wappen, Zeichen und Tracht. 26 Zünfte bestehen bis heute. Sie regeln nicht mehr den Arbeitsalltag ihrer Mitglieder, sondern halten Brauchtum und Tradition lebendig.

Was zum Böögg?

Der Böögg steht während des Sechseläutens im Zentrum des Geschehens. Er wird am Sechseläuten-Montag auf dem Sechseläutenplatz pünktlich um 18 Uhr angezündet und verbrannt. Als Symbol für den Winter soll dadurch der Frühling willkommen geheissen werden. Der Böögg war allerdings nicht von Anfang an am Sechseläuten dabei. In der Bildergalerie steht mehr dazu.

Termine und Route

Kinderumzug am Sonntag

  • 14.30 Uhr: Bis zu 3'000 kostümierte Kinder begleiten den «Böögg» zum Sechseläutenplatz.

Der Sechseläuten-Montag

  • 15 Uhr: 3'500 Zunftmitglieder marschieren in ihren jeweiligen Garderoben, begleitet von ihren Zunft-Orchestern, Reitern und Zunft-Wagen durch die Altstadt. Dabei werden Sie mit Blumen überhäuft und sorgen für einen farbenprächtigen und musikalischen Zug zum Sechseläutenplatz.
  • 18 Uhr: Verbrennen des Bööggs auf dem Sechseläutenplatz.

Tipps für ein perfektes Sechseläuten-Erlebnis

  • Bereits ab Mittag versammeln sich die Zünfte bei ihren Zunfthäusern und bereiten sich auf den Umzug vor. Die Innenstadt, die Busse und Trams sind mit Flaggen und/oder Blumen geschmückt.
  • Ab 15 Uhr beginnt der Umzug in der Bahnhofstrasse, wendet beim Bürkliplatz und geht über die Rudolf-Brun-Brücke das Limmatquai zum Sechseläutenplatz.
  • Es lohnt sich, frühzeitig am Sechseläutenplatz einzutreffen, da ab 17 Uhr fast kein Durchkommen mehr ist.
  • Um 18 Uhr wird der Böögg angezündet. Bis jetzt kann gewettet werden, wie lange es dauert, bis dessen Kopf explodiert.
  • Nach dem Knall folgt das (inoffizielle) Wurstbraten auf den Übberresten des Böögg-Feuers.
  • In vielen umliegenden Restaurants und Bars herrscht an diesem Abend Feststimmung. Perfekt, um mit Zürcher:innen ins Gespräch zu kommen.
  • Die Zünfte besuchen sich mit gegenseitig in ihren Zunfthäusern. Mit Laternen, Musik und in ihren Kostümen. Ein schöner Anblick.

Die inoffizielle After-Party

Wenn der Scheiterhaufen nach dem grossen Knall langsam in sich zusammenfällt, sammeln sich die Zuschauer:innen um die riesige Feuerstelle und verwenden sie als Grillplatz: Mitgebrachte Würste werden in einer fröhlichen Party bis spätabends grilliert.

Urbane Legenden, Pleiten, Pech und Pannen:

  • Je schneller der Kopf des Bööggs explodiert, desto schöner soll der Sommer werden. Eine Brenndauer zwischen 5 bis 12 Minuten steht für einen sonnigen und warmen Sommer. Alles darüber sagt einen eher regnerischen Sommer voraus.
  • 1921 zündete ein Junge – angeblich von Kommunisten angestiftet – den Böögg bereits um 13.30 Uhr an.
  • 1944 fand das Sechseläuten im Hafen Enge statt, da auf der Sechseläutenwiese Gemüse angepflanzt wurde. Dabei kippte der «Böögg» in den Zürichsee.
  • 1950, 1960, 1993 sowie 1994 kippte der Böögg vom Holzstapel, bevor sein Kopf explodiert war.
  • 2006 wurde der Böögg von der Gruppierung «1. Mai – Strasse frei» entwendet, tauchte an der 1. Mai-Feier auf dem Helvetiaplatz wieder auf und wurde schlussendlich, nach erneutem Verschwinden, im Keller eines Schulhauses wieder gefunden. Das Sechseläuten konnte trotzdem abgehalten werden: Ein Ersatz-Böögg musste seinen Kopf hinhalten.
  • 2020 musste das Sechseläuten aufgrund der Coronavirus-Pandemie ausfallen.
  • 2021 wurde der Böögg zum ersten Mal in seiner Geschichte nicht in Zürich verbrannt. Um Menschenmengen zu verhindern, wurde er in der Schöllenenschlucht im Kanton Uri verbrannt.

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